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Vine is shutting down … oder: Beyond the Vine

Vine … irgendwie ist das nie so richtig in Europa angekommen. Und jetzt hat Twitter beschlossen, die Platform mit den Sechs-Sekunden-Loops einzustellen. Warum haben Sie nicht gesagt, aber man kann davon ausgehen, dass die schwindenden Nutzerzahlen ein Grund gewesen sind. Trotzdem ist es ein merkwürdiger Zug von Twitter. Die Vine Nutzerbasis zieht nun zu Instagram (und damit Facebook) und YouTube um, also Twitters Konkurrenten. Finanziell stand Twitter ja schon immer auf tönernden Füßen und Vine scheint nun auch den internen Umstrukturierungen der Firma zum Opfer gefallen zu sein.

Und das ist schade, denn neben den immer mehr professionell produzierten YouTube Videos wirkten die typischen Vine-Loops wie bizarre Cut-Ups des Alltags komprimiert in sechs Sekunden. Auch wenn ich mit diesen Seinfeld-artigen Alltagsbeobachtungen nicht viel anfangen konnte, so ermöglichten Sie gerade durch ihre Komprimierung die Entstehung eines neuen Comedy-Genres. Und mit dem Ende von Vine wird dieses wohl verschwinden. Die Minute, die Instagram seinen Nutzern zur Verfügung stellt, wirkt verglichen mit sechs Sekunden unendlich lang und man sieht bereits in den neuen Videos der Vine-Migranten, dass die Form Inhalte und Funktion der neuen Videos mitbestimmt.

Man möchte meinen, dass die Vine Company schlicht ihre User-Basis nicht kannte, wie in diesem Artikel schön dargelegt wird.

Aber unabhängig der sogenannten „Creator-Basis“ von Vine, also Leuten die speziell und organisiert für die Plattform produzierten, werde ich wohl besonders die bizarre Spontantaneität von Vine vermissen.

Denn viele, so wie ich selbst, nutzten Vine eher als spontanes Mittel der Dokumentation.

Sechs Sekunden haben etwas poetisches an sich, wenn man sich die Zeit nimmt, sie wieder und wieder über sich ergehen zu lassen. Das ist das magische an Vine. Schaut man abseits der professionell produzierten Clips, findet man immer wieder bizarre Momente, in denen man so etwas wie den naiven Geist des Internets und seiner Bewohner erkennen kann.

Bevor uns die Nachricht des Shut-Downs erreichte, führte Vine im Juni noch die Funktion „Beyond the Vine“ ein. Von nun an sollte man hinter den 6 Sekunden längere Videos platzieren können, bis zu 140 Sekunden lang. An dieser Stelle hätte man bereits stutzig werden können. Hätte sich dieses Format durchsetzen können, so wären die Loops zu nichts weiter als Teaser für die eigentlichen Videos verkommen. Das Wesen von Vine wäre auf den Kopf gestellt worden und ich bin mir nicht sicher, ob es funktioniert hätte.

Aber zunächst dachte ich: Tolle Idee. Jetzt kann ich völlig gegensätzliche Videos in Beziehung zu einandersetzen, in dem ich abgedrehte 6 Sekunden Clips als Trailer für langsame und ruhige Videos nutze. Eigentlich wollte ich euch die Originale auf Vine hier einbinden, aber aus irgendeinem Grund funktioniert das nicht mehr. Deswegen habe ich sie zur Veranschaulichung auf Instagram und Vimeo hochgeladen. (Man sieht, dass Facebooks Ideenklau sich auszahlt.)

Dies sollte also die Trailer-Loop…

 … für dieses Video sein:

 

Ich mag Gegensätze, aber Vine scheinbar nicht. Denn bisher musste man seine Loop direkt beim Upload aus dem längeren Video zusammenstellen. Vine nahm sich wohl ernster, als ich das tat. Eigentlich schade … denn die Platform bildete in ihrer schnellen Art die chaotische Natur des Medienkonsums im Internet wunderbar authentisch ab. Es ist ein wenig wie „YouTube on Crack“ (ein passende Beschreibung einer Vinerin, die irgendwas mit Burgern macht).

An dieser Stelle hätte ich jetzt gerne gesagt „Es mag noch kommen“, stattdessen verabschiede ich mich einfach leise. Denn so schade das Ende von Vine auch ist, es ist nicht die erste Social Network App, die uns verlässt und wird nicht die letzte sein. In diesem Sinne…

 

 



05.11.2016


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