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Richtung Birke

Ari traf Mia an einem heißen Freitagnachmittag. Es war ein Jahr her, dass er Leif das letzte Mal gesehen hatte, ein Jahr, dass er ihm das erste Mal von ihr erzählt hatte.

Leifs Stimme wehte von der anderen Seite der Straße heran.

Hey Ari, hier drüben … Mia, das ist Ari.

Hey…

Ari ergriff Mias Hand, sie schauten sich für eine Sekunde an, dann senkte sie den Blick und Ari setzte sich zu den beiden an den Tisch.

Ein paar Stunden später ist Leif verschwunden, er musste die Nacht über arbeiten, und Mia und Ari lagen allein in seinem Zimmer. Ari hielt seine Augen geschlossen, nur Mia starrte in die Dunkelheit auf die Stelle, wo sie ihn vermutete.

Bist du noch wach?

Ja.

Was ist?

Hat Leif eigentlich viel von mir erzählt?

Aris Schlafsack raschelte.

Manchmal…

Manchmal?

Er redet viel, aber selten einfach über jemanden.

Mia schwieg, aus der Dunkelheit kam wieder das Rascheln des Schlafsacks.

Er hat Geschichten erzählt.

Gute Geschichten?

Warum fragst du mich das?

Weil er so viel von dir erzählt hat, dass ich Angst hatte dich zu treffen.

Angst?

Mia drehte sich auf den Rücken, die Decke vor der Brust geklammert.

Dass du mich nicht magst.

Aber du hast doch auch schon andere Freunde von ihm getroffen.

Das war was anderes, die habe ich einfach getroffen.

Und?

Du warst entrückt und unerreichbar. Er hat so viel erzählt und mit jedem Mal wurde es schlimmer.

Und jetzt?

Ich weiß nicht.

Was weißt du nicht?

Mia versuchte die Zimmerdecke anzustarren, aber sie sah nur Schwarz. Sie dachte an Leif und ihr Herz schlug etwas schneller. Dann hörte sie, wie Ari sich aufsetzte.

Geht es um Lisa?

Ja…

Warum?

Weil sie genau so ist wie du in seinen Geschichten.

Lisa ist aber nicht mehr hier.

Aber du kanntest sie, und du mochtest sie und hast sie immer unterstützt gegenüber den Anderen.

Ich habe sie nicht unterstützt, ich habe mich nicht in Sachen eingemischt, die mich nichts angingen.

Aber du mochtest sie.

Ja, ich mochte sie, ich mag sie immer noch.

Ari tastete durch die Dunkelheit und schaltete eine kleine Lampe in der Zimmerecke an. Ihre Strahlen strichen die Wände entlang und tauchten den Raum in dumpfes Licht.

Aber ich kann sie mögen und dich auch. Ich muss euch nicht vergleichen.

Mia drehte sich wieder auf die Seite und schaute zu Ari herüber.

Ich will das gar nicht. Ich bin Leifs Freund und ich bin gerne dein Freund, das muss nichts miteinander zu tun haben.

Aber es hat etwas miteinander zu tun.

Ari richtete sich noch etwas weiter auf und lehnte sich gegen Leifs Kommode.

Ich weiß, aber ich will es nicht noch verstärken, in dem ich dich nur in Relation zu Leif sehe.

Mia sagte nichts, schaute nur weiter. Ari seufzte, die Luft entwich ihm nur stoßweise, er musste lachen, aber es klang nicht fröhlich.

Weißt du, neue Menschen sind für mich schwierig. Und Leif bringt ganz besonders Schwierige mit.

Was meinst du?

Seine Freunde, seine Freundinnen, ich mag sie viel zu schnell, viel zu sehr.

Ari lächelte gequält.

Vielleicht war das der Grund, warum ich mich solange nicht habe blicken lassen, nachdem er mir von dir erzählt hatte.

Ich weiß, was du meinst.

Ari schaute Mia überrascht an. Sie setzte sich nun auch auf.

Leif versteht das immer nicht, wenn ich das sage.

Was?

Wenn ich sage, dass ich keine neuen Leute kennen lernen will. Meistens ist es eh nur verschwendete Zeit und ich fühle gar nichts, vergesse alles schnell wieder, aber wenn es mal passiert, dann ohne Kompromisse, dann bin ich komplett weg und weiß nichts anderes mehr.

Ari zog seine Beine zu sich heran und umschlang sie mit den Armen. Sein Blick folgte dem Schatten, den das Licht quer durch den Raum warf.

Vielleicht war ich deswegen etwas ruhig dir gegenüber.

Ari nickte.

Als du vorhin um die Ecke kamst, wusste ich, dass du so jemand bist.

Und nun?

Ich weiß nicht.

Ari streifte den Schlafsack ab und setzte sich neben Mia auf das Bett.

Das hatte ich befürchtet.

Was?

Ich weiß auch nicht.

Mia musste lachen und für einen Moment löste sich die gespannte Stimmung. Beide schauten sich an und eine Weile passierte gar nichts. Dann drehte sich Mia zu Ari und streckte ihre Hand aus.

Spielen wir ein Spiel?

Ari schaute sie verständnislos an.

Ich fange an.

Mia dreht ihre Hand um und führte sie zu Aris Oberarm, aber berührte ihn nicht. Sie ließ sie etwa einen halben Zentimeter über dem Stoff seines T-Shirts schweben und glitt dann langsam den Arm entlang in Richtung Hand. Ari folgte ihrer Bewegung, die an der Hand kehrt machte und zurück nach oben lief, weiterglitt, über Hals und Nacken, immer kurz vor der Berührung.

Als sie mit zwei Fingern seine Schläfen entlangfuhr, atmete Ari tief aus. Mia lachte.

Jetzt du.

Sie setzte sich gerade hin und schaute starr noch vorne und sofort begann die Haut in ihrem Arm zu kribbeln. Sie widerstand der Versuchung zu schauen, ob Ari auch mitspielte und senkte ihren Blick nicht. Ihre Nackenhaare stellten sich auf und eine angenehme Wärme breitete sich in ihrem Bauch aus. Noch immer war nichts von Aris Hand zu sehen. Schließlich konnte sie es nicht mehr aushalten und schaute zur Seite.

Ari hatte den Arm um sie gelegt und strich wieder und wieder über ihren Nacken. Als er merkte, dass sie ihn ansah, hielt er inne.

Mia schloss die Augen und küsste ihn. Seine Lippen waren warm und fest, sie brauchte ihn gar nicht zu sich zu ziehen. Ihre Hand glitt wieder seinen Arm entlang und als sie die Haut berührte, hatte sie das Gefühl, dass ein Feuerwerk in ihren Körpern entzündet würde. Ari strich ihren Oberschenkel entlang und sie öffnete den Mund, ihre Zungen berührten sich.

Sie folgte der Haut weiter hinab, und griff zwischen seine Beine. Sie spürte, wie er zur gleichen Zeit dieselbe Bewegung vollführte.

Dann lösten sie sich.

Schönes Spiel.

Aris Stimme zitterte etwas, aber Mia war selbst zu benommen, um zu lachen.

Ja, nicht…

Leif kam früh morgens nach Hause und fand seine Freunde tief schlafend vor. Mias Hand hing über die Bettkante und ruhte auf Aris Schulter, der mit seinem Schlafsack vor das Bett gerutscht war.

Leif lachte leise und legte sich zu Mia ins Bett.



22.10.2016


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