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Zukunft für alle… bald auf Lager… heute im Gespräch

Er schaute durch die verdunkelten Scheiben seiner Wohnung auf sich selbst und genoss das Gefühl des Erfolgs. Er hatte gerade einen Auftritt im staatlichen Fernsehen absolviert und sprach nun zu sich über die Vorzüge seiner Technologien für die Allgemeinheit, die er erschaffen und verteidigt hatte. Der Fernseher tauchte das Wohnzimmer in blaues Licht und er lauschte seiner eigenen Stimme, die den Fragen des Reporters elegant begegnete.

„Sie sind zu einem Vorbild für eine ganze Generation geworden, wie fühlt sich das an?“

Er wandte sich um und beobachtete wie ein Kameraschwenk mit Zoom sein lächelndes Gesicht fokussierte.

„Es geht nicht um mich, es geht um das, was wir den Leuten bieten, um ihr Leben zu verbessern. Wir arbeiten für eine bessere Zukunft.“

Das Publikum jubelte, sein Lächeln blieb, abgerundet von einem bescheidenen Nicken. Ohne Vorwarnung raste ein Kleinwagen von links ins Bild und verdeckte sein Gesicht. Er stellte den Fernseher stumm, aber schaute weiter auf den Bildschirm. Schöne Menschen warben um seine Aufmerksamkeit und er schaute neugierig in ihre perfekten Gesichter, ihre perfekten Produkte für ein perfektes Leben und spürte plötzlich, dass er noch immer lächelte.

„Für eine natürliche Ausstrahlung.“, blitzte kurz an ihm vorbei, dann verlangte bereits der nächste Slogan seine Aufmerksamkeit. Er blieb sitzen und wartete darauf, dass die Sendung fortgesetzt wurde. Der Werbeblock endete mit seinem eigenen Spot.

„Prepare to want one!“ Wieder ein Lächeln, dann Cut zurück zur Sendung, wo der nächste Gast schon auf dem Sofa bereit saß. Sein eigener Abgang wurde von Applaus begleitet, unten rauschte noch einmal seine Werbung durch.

„Für die Zukunft…“, echot der Talkmaster und wendet sich dem neuen Gast zu „… sprechen auch sie. Erzählen Sie mal…“


Der Star, wie der Held, wie das Genie, sind nicht wirklich. Sie sind Produkte, im Sinne von Waren, der Gesellschaft, die ihre eigene normative Logik in ihnen verpackt und an alle verkauft.

Das Schlimmste ist jedoch, wenn Individuen die Entwicklung ihrer selbst als Produkt aktiv vorantreiben, noch schlimmer im Namen einer Ideologie. Denn damit fördern sie am Ende nur den Totalitarismus der Ware, den absoluten Kapitalismus.


Wie sieht der Aufstand aus, der den Aufstand nicht verkauft?

Ein Beitrag geteilt von Rue (@4_rue) am



07.08.2017


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